top of page

Fotografieren lernen: Die Basics

Du hast gerade deine erste digitale Kamera, willst direkt loslegen, doch wirst von einer völlig fremden Sprache erschlagen?

Hier erkläre ich kurz was einzelne Begriffe bedeuten und wie Du damit umgehen kannst, sodass Du das Handbuch oder vielleicht auch Tutorials besser verstehst und sofort das Fotografieren lernen kannst.


 

Bevor es richtig losgeht: Diese Frage hat mit dem eigentlichen Foto machen nichts zu tun, aber eventuell ärgerst Du dich nachher und fragst dann "Wieso hast Du das nicht eher gesagt?". Deshalb die Frage: RAW oder JPG?

Überall liest Du: "Das erste was du tun solltest, stelle dein Dateiformat von JPG (Fine o.ä.) auf RAW."

Ich persönlich fotografiere nur in RAW, aber hier kommt jetzt eine Gegenfrage: Was hast du mit den Fotos vor? Willst Du sie bearbeiten? Sollen es nur ein paar Schnappschüsse aus dem Urlaub werden? Die RAW-Datei, oder auch das "Roh-Bild" enthält alle Bildinformationen, die du in der Nachbearbeitung herauskitzeln kannst. Dadurch belegt das Roh-Bild auch ein Vielfaches des Speicherplatzes als es das JPG tun würde.

Jeder kennt Polaroid oder das Fotografieren mit Film. Dort hast Du auch keine Chance dein Bild nachzubearbeiten, da muss von vornherein alles stimmen.


(So sieht es bei meiner Kameramodell, einer Sony, aus. Dies kann bei dir natürlich variieren.)

 

Verschlusszeit (englisch Shutterspeed)

Mit der Verschlusszeit stellst Du die Zeit ein, mit der Du dein Foto ablichten willst. Auf dem Drehrad deiner Kamera kommst Du in den Modus, indem Du das S wählst. Dann wählst Du die Verschlusszeit aus und die Kamera errechnet automatisch die erforderliche Blende und den ISO-Wert, sofern Du ISO-Automatik verwendest. Deshalb nennt man den Modus auch "Blendenautomatik".

 

Blende (englisch Aperture)

Die Blende, die in Deinem Objektiv verbaut ist, steuert die Tiefenschärfe in deinem Abbild. Außerdem lässt die Blende in einem weit geöffnetem Zustand mehr Licht auf den Sensor, was wiederum die ISO und die Verschlusszeit beeinflusst.

Stell Dir dein Auge in der Dunkelheit vor. Deine Pupille ist sehr weit geöffnet und Du siehst nur schwache Konturen. So verhält sich die Blende ebenfalls. Den Blendenwert stellst Du auf deiner Kamera im A-Modus. Dabei berechnet die Kamera die Verschlusszeit sowie die ISO-Werte automatisch. Auf den Objektiven wirst Du oft Angaben wie F/4.0 (3.5-6.3 oder ähnliches) finden. Das beschreibt die maximale Blendenöffnung des Objektivs.


 


ISO

ISO beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher die ISO-Werte, desto mehr Bildrauschen wird erzeugt. Dies ist besonders in dunklen Umgebungen der Fall. Ich stelle mir das wie eine künstliche Bildaufhellung vor. Je mehr ich das Bild aufhelle, desto unschöner wird es allerdings.



Hier sieht man ganz deutlich, dass das rechte Bild viel sanfter wirkt. Das erreiche ich, indem ich die Blende weiter öffne, dabei verliere ich allerdings Schärfentiefe - oder indem ich die Szene länger belichte, was ich in diesem Fall auch gemacht habe. 1/10 einer Sekunde die Hände mit einer schweren Kamera ruhig zu halten ist schon echt schwierig. Daher greife ich dann gerne auch zum Stativ.

 

Belichtung

Hier kommt es auf die Menge an Licht an, die auf den Sensor strahlt. Dies ist wie oben schon beschrieben, abhängig von Belichtungszeit und Blendenöffnung. Doch Du kannst deiner Kamera auch sagen "Ich möchte dieses Bild überbelichten". Das gleiche geht natürlich auch in die andere Richtung, in die Unterbelichtung. Dies ist situationsbedingt auch sehr sinnvoll. Denn deine Kamera misst die Menge an Licht und errechnet die Verschlusszeit bzw. die Blendenöffnung automatisch (falls Du nicht im manuellen Modus bist). Jedoch erkennt deine Kamera nicht immer, dass Du gerade in einer komplizierten Lichtsituation bist: Beilspielsweise bist du gerade dabei einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Es dämmert schon sehr, die Landschaft ist schon sehr dunkel aber der Himmel leuchtet noch immer sehr hell. Dann errechnet deine Kamera die Belichtung so, dass der Himmel nicht überbelichtet ist, gleichzeitig wirst Du deinen Vordergrund aber nur noch schemenhaft erkennen. Fortgeschrittene Fotografen würden für so eine Situation entweder einen Filter benutzen, diesen legst Du im Grunde vor Dein Objektiv und dunkelst damit den Himmel ab, oder Du machst zwei Fotos: bei dem ersten ist der Himmel korrekt belichtet - beim zweiten die Umgebung und in der Nachbearbeitung fügst diese Bilder dann zusammen. Das nennt man im englischen auch "Exposure Bracketing" oder man nennt es grob auch HDR-Fotos (high dynamic range).

Doch was ist die korrekte Belichtung eigentlich? Naja, wenn Dein Bild weder über- , noch unterbelichtet ist. Vereinfacht heißt es, wenn in jedem Pixel Details zu sehen sind. Wenn Du ein Bild hast, das einfach viel zu hell ist, weil Du zum Beispiel die Sonne fotografiert hast, dann wirst du vermutlich in dem Bereich nur reines Weiß sehen, egal wie sehr Du das Bild im nachhinein abdunkelst. Anders herum kannst Du unterbelichtete Bilder besser korrigieren, aber in den Bereichen bekommst du vermutlich starkes Bildrauschen. Wenn Du also ganz sicher gehen willst, dann wirf einen Blick auf das Histogramm, dieses zeigt die Helligkeitsbereiche an und die jeweiligen Pixel in diesem Bereich. Wenn ein Ausschlag das Maximum der y-Achse erreicht, dann ist dieser Bereich wahrscheinlich nicht mehr zu retten. Hier ein Beispiel aus der Praxis, an dem ich dachte, meine Erfahrung weiß es besser als die Technik:



Diese Aufnahme ist mit einer Drohne entstanden. Genaugenommen sind hier drei Bilder zu Einem zusammengefügt. Ursprünglich wollte ich alle Tiefen, alle Mitten und alle hellen Bereiche damit abdecken. Aber an der Stelle, an der die Sonne so hell scheint ist lediglich reines Weiß. Somit sieht man den harmonischen Wolkenhimmel nicht.

 

Fokusmodus

Hier kommt es auch auf Dein Objektiv drauf an, ob es einen Autofokus-Motor verbaut hat oder nicht. Wenn ja, dann kannst Du in deiner Kamera vermutlich zwischen diesen Fokus-Modi wählen: AF-S, AF-C, MF. Dies sind gängige Modi, evtl. heißen sie in Deiner Kamera auch etwas anders oder Du hast sogar noch Zusätzliche. AF-S solltest Du nutzen, wenn Du ein "still" fotografierst, ich leite mir das immer als "Stillleben" ab, sprich ein Objekt, welches sich nicht bewegt. Nehmen wir einen Baum, einen Berg, ein Gebäude, oder oder oder. Dabei fokussiert die Kamera automatisch und Du solltest die Kamera währenddessen nicht bewegen. Sonst kann es zu Bewegungsunschärfe kommen. Das passiert analog, wenn Du zum Beispiel ein fahrendes Auto fotografieren willst. Da es ja in Bewegung ist und den Fokus auf dem Auto halten willst verwischt dabei der Hintergrund. So kannst Du bewusst auch Dynamik erzeugen.

AF-C, "continuous", oder kontinuierlich, fokussiert durchgängig neu. Das ist besonders bei sich bewegenden Objekten von Nutzen. Du willst Deinen Hund im Garten beim Spielen knipsen? Dann ist das die richtige Wahl. (Wenn deine Bilder trotzdem unscharf wirken, dann solltest Du wahrscheinlich Deine Verschlusszeit kürzer wählen!)

Und dann natürlich noch der manuelle Fokus, MF. Dabei drehst Du den Fokusring an Deinem Objektiv solange bis Dein Bildausschnitt wie gewünscht im Fokus liegt. Manchmal erkennt Deine Kamera nicht, was Du gerade fokussieren willst oder es ist einfach zu dunkel. Und dann bist Du gefragt. Wenn Du viel Zeit hast, ein Stativ verwendest und absolut sicher sein willst, dann ist das auch die richtige Wahl.

 

Schärfentiefe (im Englischen depth of field oder dof) auch gerne Tiefenschärfe genannt.

Hierzu kannst Du dir deinen Bildausschnitt einmal räumlich vorstellen.

Ein Beispiel: Du stehst mit deiner Kamera an Punkt A und möchtest Dein Objekt an Punkt C fotografieren. Dazwischen, auf Punkt B steht aber noch ein anderes Objekt und dahinter auf Punkt D auch.

Du bist in einer belebten Fußgängerzone und siehst eine interessante Person, davor und dahinter sind ebenfalls Menschen, die Dich aber nicht interessieren und nicht als Motiv dienen sollen, viel eher auf dein eigentliches Motiv lenken. Dann ist es Deine Aufgabe, den Schärfentiefe-Bereich so einzustellen, dass nur dein eigentliches Motiv scharf, und alles andere unscharf wird und "verwischt".

Hier wechselt der Fokus ganz eindeutig vom gelben, auf den orangenen und nach vorn auf den grünen Textmarker.

 

Weißabgleich

Weiß ist nicht gleich weiß! Beim Weißabgleich kommt man mit Farbtemperatur in Berührung. Hierbei spricht man nicht von Gelb oder Blau, sondern von warm oder kalt. Der Weißabgleich wird deshalb auch in Kelvin angegeben. Solltest Du deine Bilder in RAW fotografieren, dann kannst Du den Weißabgleich auch ganz bequem in der Nachbearbeitung ändern, bei einer JPG-Datei geht das nur bedingt. Ich persönlich lasse meine Kamera immer im AWB-Modus (automatic white balance).


(2500K macht das Bild kälter, 8500K hingegen sehr warm, 5500K ist ein guter Mittelwert)

 

Schnelle Zusammenfassung

- Dateiformat in RAW

- ISO-Automatik

- AWB

- AF-S oder AF-C

- A-Modus (zum Beginnen, stelle einen festen Blendenwert ein und verstelle ihn immer wieder mal um Unterschiede in der Schärfentiefe zu bemerken, außerdem stellt sich die Verschlusszeit automatisch)

- nutze eine höhere Blendenzahl, also eine eher geschlossene Blende, um mehr Tiefenschärfe zu bekommen. Zum Beispiel bei Landschaften wähle F8-F11, ab einem zu hohem Wert verlierst Du wieder an Schärfe

- nutze eine kurze Verschlusszeit, um sich schnell bewegende Motive einzufangen (im S-Modus)

- Rausgehen, üben und Spaß haben!




Ich hoffe, meine paar Einsteiger-Tipps konnten Dir ein Stück weiterhelfen oder haben gar Dein Interesse geweckt, Dich mit der Fotografie intensiver zu beschäftigen.

Halt' die Augen offen, es werden mehr Tutorials folgen.





15 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments

Rated 0 out of 5 stars.
No ratings yet

Add a rating
bottom of page